„Nahrung kann entweder die effizienteste Art der Gesunderhaltung oder die langsamste Art der Vergiftung sein."

 

Ivana Lovrinčić

Der Darm und seine Rolle

Unser Verdauungssystem ist dafür verantwortlich, dass die Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen, aufgespalten und die einzelnen Bestandteile ans Blut abgegeben werden. Mit dem Blutstrom setzen die Nährstoffe ihre Reise in die einzelnen Körperzellen fort und sorgen so für den Aufbau unseres Organismus sowie dessen Vitalität. Gleichzeitig befinden sich rund 80% unserer Immunzellen in unserem Darm und sind dort maßgeblich verantwortlich für den Zustand unseres Immunsystems.

 

 

Nährstoffresorption

 

Besonders der Dünndarm ist die große "Annahmestelle" für jegliche Nährstoffe. Um möglichst effizient Nährstoffe aufnehmen zu können, ist die Oberfläche des Dünndarms innen mehrfach vergrößert. Zunächst gibt es die Dünndarmfalten, die die Oberfläche verdreifachen, dazu kommen die Zotten, die sie nochmal um das 7 bis 14 fache erhöhen und letztlich die auf den Zotten befindlichen Mikrovilli, die noch einen Faktor von 15 bis 40 hinzugeben.

Bei einer Dünndarmlänge von 3 bis 6 Metern und einem Durchmesser von 3 bis 4 cm beträgt die Dünndarmresorptionsfläche etwa 200 m² - mit allen Schwankungen können es ca. 100 m² bis ca. 1000 m² sein. Wäre hingegen der Dünndarm innen ein völlig glattes Rohr hätte er lediglich eine Resorptionsfläche von 0,3 bis 0,6 m².

 

 

Immunsystem

 

Ein äußerst wichtiger Aspekt für die Darmgesundheit ist das Darmassoziierte Immunsystem, denn 70-80% aller antikörperproduzierenden Zellen unseres Organismus befinden sich im Darm. Wenn dieser Bereich des lymphatischen Systems dauerhaft gestört ist und die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät, eine sogenannte Dysbakterie oder Dysbiose entsteht, folgen daraus diverse Erkrankungen. Doch nicht nur Magen-Darm-Erkrankungen können die Folge sein, sondern aus naturheilkundlicher Sicht wird davon ausgegangen, dass eine Fehlflora generell an der Entstehung von Krankheiten beteiligt ist. Bei der Mehrheit aller Erkrankungen herrscht im Hintergrund eine gestörte Darmflora, sodass bei jeder Erkrankung immer auch die Darmgesundheit Beachtung finden sollte und man um eine ausgeglichene Darmflora bemüht sein sollte.

 

Bei einem Ungleichgewicht oder einer Entzündung im Darm haben es besonders die krankheitserregenden Mikroorganismen leicht sich zu vermehren und Überhand im Darmmilieu anzunehmen. Diesen schädlichen Mikroorganismen in unserem Darm stehen die nützlichen gegenüber, die darauf bedacht sind, Verdauungsenzyme zu produzieren, die die Nahrung vollständig verwertbar machen, wie z.B. die Umwandlung von Proteinen in Aminosäuren. Die nützlichen Bakterien haben außerdem Teil an der Produktion der Vitamine K2, B1, B2, B3, B6, B12, sowie der Folsäure (B9) und der Pantothensäure (B5) und verstoffwechseln Ballaststoffe. Diese gesundheitsfördernden Mikroorganismen kontrollieren die Resorption der veschiedenen Substanzen in der Darmschleimhaut und gewähren dabei nur den dienlichen Molekülen den Durchgang bis ins Blut. Dabei sind sie mittels eigens produzierter Enzyme auch verantwortlich für den erfolgreichen Transport von Vitaminen und anderen Nährstoffen durch die Darmwände in den Blutkreislauf. Diese nützlichen Bakterien informieren zudem die im Darm befindlichen Immunzellen über das Eindringen der pathogenen Bakterien. So kann das Immunsystem im Darm sofort agieren und die Krankheitserreger in Schach halten. Da dieses Szenario regelmäßig abläuft, bleibt das Immunsystem durch häufige Anregung in Schuss.

 

 

Überlastung des Verdauungssystems

 

Auch das Immunsystem kann jedoch an seine Grenzen kommen. Dies ist vermehrt der Fall, wenn es dauerhaft überlastet wird mit kaum vorverdauter Nahrung, was zu giftigen Zersetzungsprozessen führen kann. Doch die größte Belastung und damit auch die größte Gefahr für das Immunsystem stellen Toxine aus der Nahrung und unserem Trinkwasser dar. Wenn diese vermehrt und regelmäßig eindringen, kippt irgendwann das erfolgreichste System. Unser Organismus ist entsprechend allen Lebens auf Überleben eingerichtet und vermag es viele kleine Katastrophen für uns oftmals unbemerkt zu meistern. Leider resultiert daraus in unserer Gesellschaft mehrfach eine Trägheit gegenüber der Eigenverantwortung für die Gesundheit, was nicht selten nach längerer Zeit mit einer ernsthaften Erkrankung bezahlt werden muss.

 

Überlastet wird unser Verdauungssystem besonders auch durch die Einnahme synthetisch erzeugter Produkte wie z.B. Medikamente oder Bestandteile aus der Fertignahrungs-Industrie. Diese für den Darm häufig fremden Stoffe werden entweder als Abfallstoffe erkannt und schnellstmöglichst ausgeschieden oder aber sie passieren die Darmwände und gelangen in den Blutkreislauf oder ins lymphathische System und können so im Organismus hohen Schaden anrichten und sich auch im Gewebe einnisten und zu Entzündungen führen.

 

Auch natürliche Produkte, die in einer unnatürlichen Form auftreten, wie z.B. Auszugsmehle oder Industriezucker, bereiten dem Darm große Mühe. Diese Mehrenergie entzieht er dem Körper an anderen Stellen. So strömt zusätzliches Blut in den Darm, das eigentlich für die Muskeln oder die Gehirnzellen bestimmt war und unsere Leistung lässt nach oder wir bekommen sogar Schmerzen. Zudem sind auch alle anderen Funktionen, die im Hintergrund unseres Organismus immer ablaufen, wie z.B. die Selbstheilung, auf Pause und können kaum beachtet werden. Wenn das Verdauungssystem nun zusätzlich aus der schon erschwerten Aufbereitung der Nahrung nur wenige Nährstoffe erhält und vielmehr daran arbeitet, die Abfallprodukte wieder loszuwerden, so bringen wir ihn in einen Teufelskreis, den wir nur durch die passende Ernährung und einen gesunden Lebensstil wieder unterbrechen können.

 

Entzündungen im Darm selbst stehen hierbei an der Tagesordnung. Sie entstehen z.B. durch Gluten, unabhängig davon, ob Gluten vertragen wird oder nicht. Bei Menschen, die keine Auswirkungen von Gluten bemerken, laufen die Entzündungen im Hintergrund dennoch ab. Wenn der Darm entzündet ist und eine Fehlflora herrscht, wird die Darmwand porös und es gelangen Fremdmoleküle ins Blutsystem. Auf diesem Weg entstehen fast alle Allergien sowie viele weitere Erkrankungen.

Jeder Organismus hat jedoch zeitlich wechselnd andere "Prioritäten", um die er sich kümmert und die meisten "Reparaturen", die sich der Körper selbst täglich annimmt, bekommen wir gar nicht mit. Solange bis das System an einer offensichtlichen Stelle überlastet ist.

 

 

Darmfreundlichkeit

 

Um unserem Darm und damit unserer Gesundheit zu dienen, sollte eine basische Ernährung auf der Grundlage frischer naturbelassener Lebensmittel im Vordergrund stehen. Aber auch Bewegung und seelische Ausgeglichenheit sind von Bedeutung, wenn es darum geht Stress in unserem Verdauungssystem vorzubeugen. Da bei einer Durchschnittsernährung in der Regel eine Übersäuerung des Körpers und eine Störung der Darmflora vorliegen, kann eine fachkundig begleitete Darmsanierung eine enorme Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens bedeuten.

 

 

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